Liebe Freunde, Bekannte und Wegbegleiter,

ich bin so voll, übervoll mit den Erlebnissen und Erfahrungen der letzten Tage und Wochen, dass es mir etwas schwer fällt, mich zu fokussieren.
Mein Thema für diese Etappe der Reise ist die Transformation. Die Kraft der Verwandlung. Und natürlich bin auch ich ganz aktuell wieder in einem Verwandlungsprozess.

Verwandlung geschieht wie Wachstum. Wir können sie nicht „machen“ und nicht vorantreiben. StellaWas wir tun können ist, sie nähren und ihr folgen. So erlebe ich das. Meine eigenen Transformationen werden meist durch einen Wunsch, … nein… ein inneres Verlangen eingeleitet. Es fühlt sich für mich an wie der Drang, optimalere Umstände für den Ausdruck meines Lebens zu schaffen. Das kann eine berufliche Erweiterung sein oder wie im aktuellen Geschehen, der Wunsch für mein Pferd und mich einen Ort zu finden, der unser beiden Bedürfnissen entspricht.

In diesem Fall hat mein Wunsch das Leben meines Pferdes aus der Bahn geworfen – und somit auch meines. Beide waren wir plötzlich mit Rahmenbedingungen konfrontiert, die wir nicht vorher sehen konnten und von jedem von uns Wachstum forderten. Mein Pferd musste eine neue Herde finden. Entwurzelt und mit tausend fremden Eindrücken konfrontiert, darunter viele, denen sie zum allerersten Mal in ihrem Leben begegnete, fixierte sie sich ganz und gar auf mich. Die kleinste Herde, die ih r geblieben war, das einzig Vertraute und ihre ganze Sicherheit.

Während ich plötzlich zum Lebensmittelpunkt meiner Stute geworden war und ihr während dieser traumatischen Tage beistand, durfte ich erleben, wie meine unbewussten Befürchtungen – die ich so sehr bemüht war, zu vermeiden – mir als Ereignisse begegneten. Meine Zweifel, Ängste und Sorgen, denen ich wie gewohnt mit lösungsorientiertem Denken begegnet war, nahmen Gestalt an. Lösungsorientiertes Denken ist nützlich. Die eigenen Bedenken wahrnehmen und gründlich ansehen auch. Vermutlich habe ich das zu wenig getan.
Es ist mir wichtig, aus dem was geschieht etwas zu lernen. Also blicke ich von verschiedenen Perspektiven auf meine Erlebnisse. Darauf, wie sie mir erscheinen… darauf, was sie in mir auslösen… und darauf, wozu sie mich bewegen.

Vor dem Umzug meiner Stella war ich optimistisch und guter Dinge gewesen. Zugleich hatte ich auch eine Veränderung in mir wahrgenommen. Ich nahm etwas wahr, doch es schien mir nicht recht greifbar. Im nach hinein vermute ich, dass ich meine Sorgen und Ängste vor mir selbst versuchte zu verbergen und dass dieses Etwas, das ich wahrnahm, ein Symptom meiner Dissoziation war. Es fühlte sich nicht an wie ein Teil von mir. Etwas entfremdet. Irgendetwas konnte ich nicht recht sehen, doch ich wusste nicht was.
Es wirkte auf mich wie eine Atmosphäre, die da draußen irgendwo lauert. Doch da draußen lauert natürlich niemand. Höchstens die Antwort auf meine unbewussten Projektionen…
Ja. Und da das Unbewusste bewusst werden möchte und seine Kraft stets entfaltet, fand ich mich plötzlich zum ungünstigsten Zeitpunkt als Zielscheibe für Angriffe, Ablehnung und Abwertung wieder. Ein korrekteres Bild für meine tiefen inneren Zweifel hätte es kaum geben können.

Wie gehe ich also damit um? In einer Situation, in der ich verletzlich und erschöpft bin, die mir seelischen Schmerz bereitet und meine ganze Aufmerksamkeit fordert, … angegriffen zu werden…

Ein kurzer Impuls in mir wollte, dass ich mich verwundet zurückziehe, aufgebe. Das geht im wirklichen Leben nicht und entspricht auch nicht meiner tief in mir verwurzelten lösungsorientierten Haltung.

Ich hätte kühl und hart werden können. Meine seelische Rüstung anziehen, eisern die in mir geweckten Gefühle abspalten oder unterdrücken und mit klinischer Vernunft reagieren. Unerbittliche Sachlichkeit praktizieren. Das geht. Doch ich weiß aus Erfahrung, damit bereite ich mir selbst und anderen Schmerzen, damit entfremde ich mich von mir selbst und dem Leben.

StellaUnd so wählte ich einen anderen Weg…
Den Weg des noch nicht Wissens, wie es gehen soll. Ich fühlte, wurde berührt, erschüttert, verletzt – und hielt mein Herz offen. Obwohl ich noch keine Lösung sah. Obwohl ich die Zukunft nicht kenne. Ich kann meine Entscheidungen, das was geschehen ist und geschieht, nicht ändern. Ich kann nur mir selbst treu bleiben. Und wenn es so sein soll, auch gegen den Wind zu mir stehen.

Schon viele Male zuvor war ich zu dieser Einsicht gekommen. Doch diesmal war es irgendwie anders. Irgendetwas in mir hatte aufgehört, gegen diese Erkenntnis zu kämpfen. Eine Wandlung vollzog sich in mir. Statt in alte Muster zu verfallen war es mir möglich, einen neuen Weg zu gehen. Ich wählte, das Unverständnis, die Angriffe und Verurteilungen anderer als Anlass zu nehmen, mich selbst wohlwollend zu prüfen. Dadurch wurde ich klarer, standhafter und authentischer.

Ich erkannte in meinem eigenen Leben, was so oft unterrichtet wird und oft so schwierig erscheint zu leben: Auch meine Gegner dienen mir, damit ich wachsen kann! Sie treffen mich ja nur, weil ich zuweilen selbst ähnlich hässliche Gedanken über mich habe. Weil ich zuweilen selbst meine Gefühle abspalte. Die Welt ist mein Spiegel – auch dann, wenn das Bild wenig gefällt.

Diese Sichtweise gelang mir nicht auf Anhieb. Ich schwankte, fiel aus meiner Mitte, fand sie wieder. Die folgenden Ereignisse hielten mein Pendel in Bewegung. Eigene Ängste, Sorgen, Zweifel schwappten aus den tiefen inneren Kammern ins aktuelle Fühlen. Ich erlaubte es. Begrüßte die alten Geister und stellte ihnen wohlwollende Kräfte an die Seite. Die kritischen Stimmen scheinen immer viel lauter zu sein, als die freundlichen. Das macht ihre Worte deswegen nicht wahrer oder wichtiger. Sie schreien einfach nur gerne.

Die Transformation geschieht von alleine. Meine Aufgabe ist es, meine Sinne wach und mein Herz offen zu halten. Es gibt Krafttiere und wohlwollende Geister. Es gibt mein Herz, meine Liebe und mein inneres Wissen. Ich darf vertrauen, dass dieser Prozess seinen Frieden findet. Ich darf und kann im Sturm stehen – im inneren und äußeren – und gut mit mir sein. Ich darf Gefühle zeigen, ich darf weinen und lachen und zu mir stehen.
Wandlung geschieht, wenn ich bereit bin etwas zu tun, was ich schon ganz lange nicht tun wollte 😉

Es ist an der Zeit, eine alte Haut abzustreifen. Zeit mir selbst und dem Leben zu vertrauen. Selbst dann noch zu vertrauen, wenn die Wände wackeln und der Himmel sich verdunkelt. Kein Zustand bleibt für immer, egal wie schön oder schrecklich er sich anfühlen mag. Die Kunst, jeder Situation angemessen zu begegnen, erfordert die Bereitschaft loszulassen und zuzulassen. Auf wundersame Weise ist mir das gelungen.

Ein riesiges Dankeschön an alle meine Helfer und Freunde, die mich durch diese Zeit getragen haben. Die mich sein ließen, wie ich bin. Danke für euer Verständnis und Mitgefühl, ihr habt mir viel mehr als nur eure Zeit und euer Gehör gegeben!

Mit den besten Wünschen

Eure

unterschrift

Newsletter September – Die Kraft der Verwandlung