Liebe Freunde und Wegbegleiter,

gerade war ich noch im Fluss des Schreibens und Schaffens – es gibt so viel zu erzählen! – da katapultiere ich mich in einen neuen Lebensrhythmus und die Anpassung zehrt an mir. Jetzt möchte ich erzählen, weshalb ihr so lange nichts von mir gehört habt.

Wie so oft sind die Gründe dafür banal. Ich dachte, es wäre sinnvoll, mich ins ‚Leben der Anderen‘ zu begeben und mir neben meiner beruflichen Selbständigkeit ein stabiles Grundeinkommen zu verdienen. Natürlich war ich früher, vor 20 Jahren, schon einmal ins allgemeine Arbeitsleben integriert. Und doch ist die Rückkehr in ein Angestelltenverhältnis ‚neu‘ für mich. In den letzten Monaten war ich hauptsächlich damit beschäftigt, mein Energiepotential an die Fremdbestimmung anzugleichen.

Immer wieder bin ich erstaunt darüber, welche Wirkung es auf Geist, Seele und Körper hat, seinem eigenen Rhythmus nicht folgen zu dürfen. Ich bin Frühaufsteherin. Und doch zehrt es an mir, um 4.30 Uhr aufzustehen, damit ich 5.30 ‚fit‘ für die Arbeit bin. Die Stille, die ich morgens brauche hat plötzlich keinen Raum mehr. Meine Essgewohnheiten kamen ins Schleudern, weil ich nicht mehr essen und trinken konnte, wenn mein Körper danach verlangte. Ganz zu schweigen von der Qualität meiner Nahrung! Denn nebenbei und in Eile verschlungene Teigwaren gehörten bislang nicht zu meinem Ernährungsplan. Kleinigkeiten – Widrigkeiten, mit denen alle Angestellten und Arbeiter konfrontiert sind. Ich weiß es ja. Wie oft habe ich an meinen Patienten festgestellt, dass ihr Tagesablauf extrem wenig Möglichkeit bietet, ihren eigenen Rhythmus überhaupt zu spüren.

Nun, ich kenne meinen Körper und die Bedürfnisse meines Leibes und habe viele Jahre geübt, sie wahrzunehmen, um ihnen gerecht zu werden. Umso deutlicher spüre ich auch, wenn ich gegen diese Bedürfnisse verstoße. Verspannung, Schmerzen, Unruhe, ständige Müdigkeit. Zeitgleich stellt sich ein Dauergefühl von ‚ich habe keine Zeit‘ und ‚ich möchte nur Ruhe‘ ein. Ich gehe bewusst damit um und bleibe dabei, pfleglich auf mich einzugehen. Dann geht es eben langsamer. Dann schreibe ich eben nicht, sondern schlafe oder regeneriere mich bei Qi Gong und Yoga. Dann lausche ich der Stille, die ich so sehr liebe, anstatt meiner Kreativität Ausdruck zu verleihen.

Ich kann das alles tun, denn die ‚andere Hälfte‘ meiner Zeit bin ich freiberuflich. Welch ein Segen! Die Selbständigkeit hat viele Tücken, Fallen und Herausforderungen. Doch sie ist gewählt. Sie macht nicht FREI, nein wirklich nicht. Doch sie lässt Spielräume! Und das Wissen, dass ich Einfluss nehmen kann, öffnet die Türe für Leistung in Freiwilligkeit. Hier kann ich mich spüren und üben, mir selbst Spielräume zu schaffen, die meinen Bedürfnissen gerecht werden.

Einfluss nehmen zu können, mit entscheiden zu dürfen, das erscheint mir als das Wichtigste im Leben, um mich spüren zu können und einverstanden zu sein. Leider ist das kaum einem Arbeitgeber bewusst.

Ich sehe überall, dass die Menschen arbeiten wollen. Die meisten sind zu so viel bereit! Sie wollen selber aber gesehen werden. Mit ihren Gedanken, ihren Bedürfnissen, mit ihrem Einsatz. Wie schade, dass das große Potential des Volkes, unser Potential als Menschen, so wenig Raum bekommt. Was könnten wir für freudvolle Menschen sein! Welche Glanzleistungen würden wir erbringen! Die Service-Wüste Deutschland würde zu einem Land des freudvollen Wachstums.

Stattdessen aber läuft der Arbeitnehmer Gefahr zu resignieren, denn ‚da kann ich sowieso nichts ändern‘. Eine lähmende Unzufriedenheit frisst am eigenen Potential. Wären da nicht die eigene Würde, der Stolz eines Menschen in sein Tun, die verbindenden Gefühle gegenüber den Kollegen und das Bewusstsein, dass die Kunden auch ‚nichts dafür‘ können, bräche längst alles zusammen. Doch die Mitarbeiter überwinden sich, raffen sich auf und versuchen die Frustration zu kompensieren.

Das kostet nicht nur Kraft, zehrt an den Nerven, dem Schlaf und der Gesundheit. Viele Kompensationsmuster sind in sich selbst schädlich.

Was kann getan werden?

Innerhalb von Frust und Erschöpfung scheint es unmöglich, sich selbst zu pflegen. Doch es geht. Die Gedanken reinhalten. Weniger klagen und über Missstände sprechen. Ich stelle immer wieder fest, dass der kritische Standpunkt, das gedankliche Wälzen der suboptimalen Umstände, viel Kraft verbraucht und verhindert, dass die eigene Arbeit mit Leichtigkeit und Freude von der Hand geht.

Selbst, wenn ich die Umstände nicht (in absehbarer Zeit) ändern kann, kann meine Haltung ein Teil der Lösung sein. Erst einmal für mich selbst. Wie gehe ich mit mir in dieser Lage um? Wie bewerte ich sie? Mit welcher Haltung begegne ich den Umständen? Welche Erwartungen möchte ich mir nicht eingestehen und loslassen? Wen halte ich für verantwortlich? Suche ich nach Wegen, wie ich meinen kleinen Teil dazu beitragen kann, dass die Dinge sich entwickeln?

Die Welt, die Menschen um mich herum, ändern sich nicht zu meinen Gunsten und nach meinen Vorstellungen. Das wissen wir alle. Und doch erwarten die meisten von uns genau das insgeheim, tief im Fühlen verborgen. Veränderung, also auch Wohlbefinden, kann ich nur mit mir selbst erwirken. Spüre ich nach und erkenne, welche Forderungen und Erwartungen ich der Welt gegenüber habe, kann sich meine innere Haltung verändern. Gebe ich mir selbst, was ich von anderen fordere? Respektiere und achte ich mich, meine Kollegen, Geschäftspartner und Kunden? Setze ich klare Grenzen? Gebe ich klare Anleitung? Spreche ich mein Umfeld frei davon, für mich zu sorgen und trete selbst für meine Bedürfnisse ein?

Das Verhältnis Arbeitgeber – Arbeitnehmer gleicht dem Eltern – Kind Verhältnis. Eine Autorität mit Macht über uns und der/die Unmündigen. Diese Konstellation wird immer ihre Herausforderungen haben. Doch ich bin kein Kind mehr. So angenehm es sein kann, die Verantwortung für Entscheidungen abzugeben, so tückisch ist diese Bequemlichkeit. Unbewusst delegiere ich dabei auch die Verantwortung dafür, ob wohlwollend und wertschätzend mit mir umgegangen wird. Ich sage, ‚ich kann nichts tun‘, weil ich die Konsequenzen fürchte. Anstatt zu überlegen, WIE ich es tun kann, damit die Konsequenzen nicht den Ast abbrechen, auf dem ich sitze.

Kinder gehen in den Widerstand zu den Eltern, um ihre Bedürfnisse erfüllt zu bekommen. Eltern sind verständlicher Weise oft damit überfordert. Kontrollmuster werden aktiv, Ängste steigen auf, Misstrauen macht sich breit. Ich vermute, dass Arbeitgeber an ähnliche Grenzen stoßen. Die Angst vor dem Widerstand der Angestellten paart sich mit der Angst, ausgenutzt und hintergangen zu werden.

Glaubenssätze wie: ‚Der Angestellte ist von Natur aus faul und sucht nur seinen Vorteil‘ sind hier am Werk. Kontrolle, Zwang, Disziplin und Ängste schüren sind die ‚Erziehungsmethoden‘, um zu verhindern, was gar nicht stattfände, wenn die Grundüberzeugung anders wäre.

So funktioniert es in der Wirtschaft und auch in der Politik.

Wir dürfen langsam erwachsen werden! Arbeitgeber wie auch Arbeitnehmer. Wir sind zu intelligent, um diesen alten Mustern in blinden Reflexen zu folgen. Wir haben Erkenntnis und von daher eine Wahl, zu wachsen… zu er-wachsen in unser wahres Potential.

Ich möchte an dieser Stelle erneut dazu einladen!

Achtet auf eure Gedanken. Auf die Nahrung, die ihr eurem Geist in Form von Bildern, Ideen und Filmen gebt. Achtet auf einigermaßen gesunde Ernährung, auf Bewegung, frische Luft, anregenden Austausch mit Menschen, die ihr bewundert oder die euch weiterbringen.

Meidet das Kreisen um immer dieselben Themen und Gefühle. Holt euch Unterstützung, Perspektivenwechsel und Regenerationspausen.

Um das möglich zu machen, mag es sein, dass ihr mal ein Jahr nicht in Urlaub fahren könnt. Doch ganz ehrlich: Wer in die eigene Entwicklung investiert, profitiert den Rest seines Lebens davon. Ein Urlaub kann im Gegensatz dazu recht schnell seine Wirkung verlieren…


Von Herzen Deine

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Newsletter Juli 2019 – Perspektivenwechsel